Akihabara – das Elektronikviertel schlechthin und das Mekka für viele Videospielfans und Manga verrückte. Wer es sich leisten kann in dieser Metropole einen Abstecher zu machen, wird so einige merkwürdige Dinge sehen und erleben. Europäer werden sich in diesem Stadtteil Tokios wie in einem Manga vorkommen: Überall bunte Bildchen, auffällige Farben (rosa!?) an den Fassaden und leuchtende Reklametäfelchen, die anscheinend irgendwas wichtiges mitteilen möchten, aber die Message dennoch im Sog der Unverständlichkeit verschwindet – für uns ein Bild aus einer fiktiven Welt die zur Realität geworden ist. Zusätzlich gibt es (ähem) einige tolle und relevante Persönlichkeiten beim Pirouetten drehen zu beobachten:

Aber was ist denn nun der wirkliche Reiz von Akihabara? Neben der für Touristen ziemlich ausgefallenen Optik der Stadt, fallen einem die etlichen Glücksspielhallen auf, die Japaner aufsuchen, um Pachinko zu zocken. Ein Segen für die Einheimischen, denn Glücksspiele sind in der Regel verboten. Nur auf Pferde, Boots und Radrennen dürfen die Japaner ihre Wetten abgeben. Man munkelt das in den Pachinko Hallen Akihabaras die ein oder anderen Spezialisten ihr Brot verdienen.

Fragwürdig ist allerdings, ob auch die Geschöpfe aus dem Westen diesem Spiel wirklich etwas abgewinnen können? Zum einen ist in den Pachinko-Hallen die Hölle los – entsprechend gestaltet sich dann auch der Lärmpegel. Für manche ist die Lautstärke unerträglich. Wer hier nach einer gelungenen Las Vegas Immitation sucht, ist wahrlich falsch am Platz.

Auf jedenfall gibt es massig skurriles zu beobachten. So gibt es in Akihabara einen großen Anteil an Otakus. What’s that? mögen manche fragen. Als Otakus werden in Japan Menschen bezeichnet, die sich sehr mit einer Videospielfigur oder Mangahelden identifizieren respektive einfach so sein möchten wie ihre Vorbilder. Das heißt im Klartext: Sie versuchen in erster Linie auch wie diese auszusehen und wenn möglich sich auch wie diese zu verhalten. Wer sich in der Videospiellandschaft auskennt, wird so manchen Spielhelden wiedererkennen: Final Fantasy VIII Anführer Squall Leonheart, Devil May Cry Antiheld Dante oder Jill Valentine aus der Resident Evil Serie – manche ähneln diesen Figuren bis ins kleinste Detail, bei anderen kann man nur ein müdes und bemitleidendes Lächeln abgewinnen. Cosplay wird dennoch ganz groß geschrieben.

Da es viele Videospielfans und Mangasammler gibt, existieren auch die entsprechenden Läden mit dem „Hot Stuff“. So gibt es im Elektronikviertel mehr als genug Lesestoff, auch wenn manch Lektüre das ein oder andere westliche Gemüt schockieren wird. Lolicon Mangas sind nur die Spitze des Eisbergs: Hier werden Minderjährige ( allem Anschein nach 8-13 jährige Mädchen) bei sexuellen Handlungen dargestellt, was hierzulande ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Im Land der aufgehenden Sonne ist die Publikation von weit irrsinnigeren Mangas möglich, um die Fantasien mancher Zielgruppen zu befriedigen. Auch wenn dies in unseren Augen verwerflich erscheint, muss fairerweise erwähnt werden, das die Übergriffe auf Kindern nicht höher sind, als in anderen Ländern dieser Welt.

Dann gibt es widerum Läden, die haufenweise Spiele aus allen Jahrzehnten verkaufen. Hier gibt es nahezu alle Games: Ramschtitel, wertvolle Spiele oder nur noch schwer erhältliche Sondereditionen tummeln sich in den Meter hohen Regalen. Alles was der Sammler begehrt lässt sich hier erstehen, natürlich mit der Voraussetzung einen gut gefüllten Geldbeutel aufweisen zu müssen. Doch die meisten Spiele sind japanischer Herkunft, ergo für Europäer und Co. nicht zu verstehen und nur mit dem entsprechenden Umbau der Konsole zu daddeln. Es gibt aber auch Spiele mit englischem Inhalt. So kann dort eine gebrauchte US-Version von Chrono Trigger ( bis jetzt eines der besten Rollenspiele überhaupt) zu guten Konditionen gekauft werden.

Letztendlich lohnt sich ein Trip nach Akihabara, allein wegen des Feelings. Obendrein wird sich noch das ein oder andere ausgefallene zum fotografieren finden. Ach übrigens kleiner Tipp am Rande: Wer sich eine Konsole in Japan kauft, muss auch einen Spannungswandler mit in die Tüte stopfen, denn Japans Haushalte haben einen 110 Volt Anschluss, während wir hier mit 220 Volt auskommen. Sonst geht die Konsole in die unendlichen Abgründe des Nirvanas über.

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