1100296_target_with_bullet_holesNach dem Amoklauf in Erfurt hat keiner mehr damit gerechnet, dass jemand mit eisernem Willen eine Waffe in die Hand nimmt und ein Massaker auf einer Schule veranstaltet. Zumindest nicht in Deutschland, denn dieses Szenario gehört ja genauso wie Tornados und Hurrikans nach Amerika und nirgendwo sonst. In den ganzen Diskussionen, die die Medien fleißig mit Neuigkeiten und Gerüchten anheizen, lässt auch der urteilende Fingerzeig gen Videospiele nicht lange auf sich warten. Kombiniert wird das Ganze mit dem kläglichen Versuch der breiten Masse zu verdeutlichen, das Killerspiele schuld an dieser Tragödie sind.

Jeder Mensch mit ein wenig Verstand wird dem keinen besonderen Stellenwert beimessen, „Tunnelblick” Eltern hingegen werden durch solch eine Berichterstattung natürlich hellhörig und werfen einen bösen Blick auf die Konsolen die friedlich im Kinderzimmer stehen.

Andere Faktoren, wie z.B. das der Amokläufer Tim K. es einfach satt hatte eine nicht gerade beliebte Figur in Winnenden zu sein und aufgrund fehlender Akzeptanz und mangelnder Aufmerksamkeit seitens seines Umfeldes litt, sind in diesem Moment zweitrangig.

Stattdessen wird in Videospielen der Sündenbock gesucht und erwartungsgemäß werden natürlich die allgemein bekannten Klischees erfüllt: Die Polizei hat tatsächlich herausgefunden, das Tim K. ein freundlicher, sympathischer und ruhiger junger Mann war, der gerne das Spiel Counterstrike in seinem ehemaligen Wohnquartier gespielt hatte, wobei ganz nebenbei erwähnt werden sollte, dass keiner ihm diese Tat zugetraut hätte. Noch auffälliger ist natürlich, das Tim K. in Counterstrike-Manier fast nur Mädchen mit einem gezielten Kopfschuss regelrecht hingerichtet hatte. Das der Teenager nicht mit seinen Problemen klar kam und sich wahrscheinlich auf diese Weise rächen wollte, weil er nie ein Frauenschwarm war, ist logischerweise irrelevant.

Sind Videospiele schuld …

Das Tim K. das Spiel Counterstrike in seinem Besitz hatte, mag den ein oder anderen Videospielgegner ein unverschämtes Grinsen auf den Lippen zaubern, jedoch sollte im gleichen Atemzug folgende Tatsache betrachtet werden: Warum sind im Land der aufgehenden Sonne, durchaus auch bekannt als Japan oder das Videospielmekka schlechthin, Amokläufe nicht an der Tagesordnung? Haben die Japaner tatsächlich außergewöhnliche mentale Kräfte, um nicht durch sogenannte Killerspiele zum Amoklauf animiert zu werden? Oder sind amerikanische und deutsche Teenager einfach zu willensschwach und sympathisieren beim zocken solcher Spiele mit dem Gedanken einen Amoklauf auf ihre Schule zu inszenieren?


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… oder eher das Schulsystem?

Diese Frage lässt sich in gewisser Weise beantworten: Das deutsche Schulsystem trägt eine nicht zu verachtende Mitschuld an den Geschehnissen in Winnenden. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das westliche Schulsystem stark vom östlichen differiert. Strengere Regeln, Schuluniformen und Stylingvorschriften lassen Schulen in Japan nicht wie die Schulen in Deutschland oder Amerika wirken, die manchmal mit Discos oder Clubs verwechselt werden: Tiefer Ausschnitt, trendige Klamotten und andere Luxusgüter zeigen einen unnötigen Klassenunterschied in Schulen auf, der über die individuelle Beliebtheit entscheidet. Wer in dieser Hinsicht nicht mithalten kann, zieht den Kürzeren oder wird gar gemobbt. Dies beeinflusst natürlich die schulische Leistung der Mobbing Opfer negativ und kann zu einer solchen Verzweiflungstat führen.

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Doch dies ist nur ein kleines Puzzlestück von vielen anderen, denn dieser Tatbestand trifft nicht auf Tim K. zu, der bei wohlhabenden Eltern sein Zuhause hatte. Vielmehr ist er wahrscheinlich auf der Albert Ville Schule gedemütigt worden und zwar primär von weiblichen Mitschülerinnen, die nicht viel mit ihm anzufangen wussten.

Die Tragweite mancher Äußerungen der Schülerinnen kann unterschätzt worden sein und Tim K. zu dieser Tat geführt haben. Diese Aussage soll jedoch in keinster Weise die Tat von Tim K. entschuldigen, gewährt jedoch einen kleinen Einblick auf die Gefühlslage des 17-jährigen.

Das Benehmen auf Schulen ist heutzutage ohnehin aus der tiefsten Schublade, was durch das lasche Schulsystem begünstigt wird. In Foren werden immer öfters Fragen gestellt, was man gegen Mobbing in der Schule unternehmen kann. Das ist der Preis der Demokratie: Lehrer und Schüler leiden auf Schulen, meist wird die Schule sogar gerade deswegen geschwänzt. Allerdings ist es auch nicht besser das diktatorische System hochzufahren, jedoch muss das Schulsystem in westlichen Gefilden eine Revolution erfahren.

Videospiele sollten hier nicht als ausschlaggebender Faktor für solche Taten hingestellt werden, denn letztlich ist ein Spiel wie Counterstrike in fast jeder guten Spielsammlung vorzufinden. Der Fund der Polizei ist demnach auch nicht sensationell und kann nicht im geringsten das Denkmuster und die wahren Motive des Täters aufdecken, die nimmt er nämlich mit ins Grab…

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